Erzählt am Feuer – Alte norwegische Volkserzählungen – Teil 1
Das Huldra-Volk auf Weihnachtsbesuch – Die Sage von Skogseid im Hålandsdalen und der jolaskreio(1)

In Skogseid mussten die Leute am Heiligabend stets den Hof verlassen, denn dann kam der jolaskreio, die „Weihnachtstrolle“, und sollte dort wohnen. Die Leute von Skogseid fuhren in der Zeit nach Knapphole und blieben dort über die Weihnachtstage.
Einmal kam am Heiligabend ein armer Mann nach Skogseid und bat um Unterkunft. Doch die Leute antworteten, daß sie selbst kein Haus hätten, da der jolaskreio dort wohnen würde. Aber der Mann bat so lange, daß sie ihn schließlich dort bleiben ließen. Der Mann hatte einen Hund und eine byrse (2) bei sich.
Als die Leute von Skogseid den Hof verließen, setzte sich der arme Mann auf den vaglebeten (3) und wartete darauf, dass der skreio (4) kommen würde. Als es dunkel wurde, kam ein schreckliches Gefolge herein, und kaum waren sie in der Stube, brüllten sie, daß sie Christenmenschen-Geruch riechen würden.
Sie sahen den Mann aber nicht und dachten daher, der Geruch stamme von denen, die den Hof verlassen hatten. Sie begannen zu kochen und zu braten und richteten ein großes Gastmahl aus. Sie hatten einen alten Mann zum forår. (5)
Als sie sich zu Tisch gesetzt hatten, schoß der arme Mann den Anführer an. Die Weihnachtstrolle schrien und klagten laut. Der Hund des Mannes begann, die Trolle zu beißen und zu zerreißen, und bald zog das ganze Gefolge vom Hof fort.
Im nächsten Jahr kamen sie am Heiligabend wieder. Doch diesmal waren die Leute nicht vom Hof fortgezogen, und die Trolle fragten, ob sie noch Kvit hätten (so hieß der Hund).
„Ja“, antworteten die Leute, „und jetzt hat er sieben Junge, die viel schlimmer sind als er.“
Als die Trolle das hörten, zog das ganze Gefolge wieder fort, und seit diesem Tag durfte das Volk von Skogseid zur Weihnachtszeit in Frieden dort wohnen.
Gesammelt von Rigmor Frimannslund und mündlich übernommen von Kirsti Hammersland im Hålandsdalen, Vestlandet (Hordaland) um 1911.
- = jolaskreio, heißt soviel wie Weihnachtszirkel und beschreibt die Trolltruppe
- = byrse ist laut meinen Recherchen eine Flinte, also Waffe
- = vaglebeten ist eine Art Querbalken unter dem Dach
- = wie 1, aber nur Zirkel, Kreis (5) = unklar, aber vermutlich heisst es: „sie hatten einen alten Kerl als Vorspeise“.
Orginaltext:
Huldrefolk på julegjesting
På Skogseid måtte dei alltid fara frå garden jolekvelden, for då kom jolaskreio, „juletrollene“, og skulde bu der. Folket på Skogseid fòr til Knapphole og var der um joli. Eingong kom det ein fatigmann til Skogseid jolekvelden og bad um hus. Men folket svara at dei hade ikkje hus sjølve, for jolaskreio skulde bu der. Men han tagg so lenge at det vart til at dei let han vera der. Mannen hadde hund og byrse med seg. Då folket på Skogseid fòr frå garden, sette fattigmannen seg på vaglebeten og venta på at skreio skulde koma. Då det vart myrkt, kom det inn eit fælt fyljge, og vel inne i stova brølte dei at dei kjende kristenmannalukt. Dei tok til å koka og brasa og laga til heilt gjestebod. Dei hadde ein gamall kall til forår. Då dei hadde sett seg til bords, skaut fatigmannen føraren. Jolatrolli gret og jamra. Hunden tok til å bita og slita i trolli, og snart drog heile fylgjet frå garden. Næste året kom dei att jolekvelden, men då var folket ikkje reist frå garden, og trolli spurde um dei enno hadde Kvit (en?) (det var namnet til hunden.) „Ja“, sa folket, „og no har han sju ungar, so er mykje sværare enn han“. Då trolli høyrde det, drog heile fylgjet burt att, og etter den dagen har folket på Skogseid fått bu i fred der um joli.