Die erste Touristen die nach Norwegen kamen, waren aus der Oberklasse.
Um das Jahr 1800 herum kamen die ersten Touristen nach Norwegen. Sie waren auf der Suche nach neuen Abenteuern und anderen Perspektiven. Die Schweiz und das antike Rom wurden ihnen zu langweilig und nur wenige Jahrzehnte später, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, begann der Tourismus dann zu florieren. Besonders populär: die Fjorde und Fjells des norwegischen Westens – das Vestlandet, erzählt Professor Bjarne Rogan, der selbst die Reisegewohnheiten und den Tourismus zu dieser Zeit erforscht.
In dem verlinkten kleinen aber reich und wunderbar bebilderten Artikel in forskning.no wird uns hier die Entwicklung des Tourismus in Norwegen etwas näher gebracht. Ich habe mir die Mühe gemacht und den Artikel etwas ins Deutsche übertragen, da ich denke er trifft hier auf das Interesse @alle r.
Diese ersten Touristen trafen in den norwegischen Bergen auf querköpfige Bauern, denen die Beförderung und Beherbergung der Touristen übertragen wurde, stellten Beförderungs- und Schlafmöglichkeiten zur Verfügung. Oft fanden sich die deutschen, französischen und englischen Herrschaften dann in prekären Verhältnissen wieder. Ein ausgebautes Beherbergungssystem gab es noch nicht. Die Bauern hatten die Pflicht aufgetragen bekommen, die Gäste zu beherbergen und so fanden sich die Touristen auf Strohmatten in engen Holzbetten wieder, oder gar manchmal auf harten Bänken in rauchgefüllten Stuben. Norwegen war weit davon entfernt ein gastfreundliches Touristenland zu sein. Auch die Verköstigung der Gäste war sehr einfach: Forelle, Brei, gesalzener Fisch oder Fleisch sowie Fladenbrot stand auf dem Tischen der einfachen Menschen, die plötzlich die gehobene Klasse beherbergen mussten.
Aber die Touristen lernten. Anstelle in engen Bauernkaten zu liegen, trieb es sie zu den örtlichen Priestern, die einen höheren gesellschaftlichen Stand hatten, und damit auch in die Kirchenhäuser, wo sie besser Zustände vorfanden. Das sprach sich zügig herum unter den Reisenden und so fanden sich selben Zeitraum bereits erste Reiseführer in Buchform die empfahlen, die regionalen Kirchen und Priester aufzusuchen. Denn dort traf man auf jemanden der lesen und schreiben konnte und damit ein gewissen Stand hatte.
Torild Gjesvik ist Universitätslektor in Kulturhistorie und Museologie an der Universität in Oslo. Laut ihm begannen die gehobeneren Norweger sich bereits im 18. Jahrhundert für ihre eigene Landschaft zu interessieren. Sie empfanden die sie umgebende Natur nicht mehr nur als „brutal“ und „schlimm“, sondern begannen sie zu bewundern. Die traf mitunter auf Unverständnis bei den Bewohnern der Regionen, die ihr Leben lang nichts anderes sahen als die Natur um sie herum, welche sie prägte, von der sie lebten und die sie auch manchmal umbrachte. Die romantische Verklärung dieser Natur, die Schaffung von Gemälden des einfachen Lebens dieser einfachen Menschen, sowie die später aufkommende Fotografie, traf auf Unverständnis. Aber die aufkommende Nationalromantik und der stetige Ausbau der Infrastrukter wie der Bau neuer Straßen, ebnete den Weg hin zu einem stetig steigenden Tourismus. Diesen füllten zunächst wohlhabende Norweger mit Leben, welche ihren englischen Freunden und Bekannten nacheiferten, welche gerne in die schottischen Highlands oder die Alpen reisten, um dort zu klettern oder Ski zu fahren.
Klettern jedoch traf nicht die norwegische Volksseele. Die Norweger entwickelten eine andere Art Sport, sie kletterten auf die Berge und die Hochebenen und begannen von Hütte zu Hütte zu wandern. Hilfe erhielten sie dabei meist von Bergbauern, die sich in den Bergen gut auskannten. Entdecker war diese Bauern jedoch nicht und so wurde oft bemängelt, daß sie die Gäste zwar gern in bekanntem Gebiet umherführten, neue Gegenden aber nicht betreten wollten.
Aber auch die touristische Schifffahrt nahm Fahrt auf. 1882 erreichte das erste Kreuzfahrtschiff aus England die norwegische Westküste und fuhr weiter bis zum Nordkapp. 1926 wurde das erste norwegische Dampfschiff zu Wasser gelassen. Die „Stella Polaris“ der „Det Bergenske Dampskibsselskab“ fuhr aber nicht nur in nordischen Gewässern, sondern sogar weltweit. Viele norwegische Orte erfuhren durch den steigenden Tourismus große Veränderungen. Odda ist eine davon. Alleine 1904 erreichten 32 Touristenschiffe Odda und aus der kleineren Handelsstadt wurde eine wichtiges nationales Touristenziel.
Der Beginn war gemacht und heute ist der Tourismus eine der großen Einnahmequellen der norwegischen Regierung. Allein 2022 zählte man 36 Millionen Übernachtungen im Land, von denen 2,2 Millionen auf deutsche Besucher entfielen. Das hätte sich der „skyssbonde“ (Bauer mit Transportauftrag“) wohl damals im 19. Jahrhundert nicht träumen lassen.
zuerst veröffentlicht in der Gruppe Norwegen – 24. Oktober 2023
https://www.forskning.no/historie-humaniora-turisme/da-turistene-inntok-norge/2266431