Warum Grönland historisch enger mit Norwegen verbunden ist – und trotzdem zu Dänemark gehört
Grönland ist ja derzeit in den Medien sehr präsent, seit der amerikanische Präsident Trump, zum wiederholten Male, erwähnte, daß die USA Grönland aus geopolitischen Gründen brauchen. Sein Aussenminister stellte dabei kürzlich eine interessante Frage: welchen Anspruch hat Dänemark eigentlich auf Grönland? Die Frage ist nicht direkt unberechtigt ist, denn Dänemark nahm einst Grönland den Norwegern weg. Was war passiert?
Grönland wird heute meist automatisch mit Dänemark in Verbindung gebracht – gehört es doch, trotz einer gewissen Unabhängigkeit, zum Königreich Dänemark. Historisch betrachtet ist die Sache jedoch deutlich komplexer. Über viele Jahrhunderte war Grönland eng mit Norwegen verbunden – politisch, kulturell und durch frühe Besiedlung. Erst durch spätere Machtverschiebungen fiel die Insel dauerhaft an Dänemark. Norwegische Anfänge auf Grönland beginnen um das Jahr 985. Damals erreichte Erik der Rote Grönland von Island aus. Die ersten europäischen Siedler auf der Insel waren nordische Bauern und Fischer aus dem norwegisch-isländischen Raum. Über mehrere Jahrhunderte existierten dort stabile Siedlungen mit direkter Verbindung zu Island und Norwegen. 1261 erkannte Grönland offiziell die Oberhoheit des norwegischen Königs an und wurde damit Teil des norwegischen Reichs und steuerpflichtig.
Der politische Wendepunkt
Als Norwegen ab 1380 ungewollt in eine Union mit Dänemark geriet, wechselte die tatsächliche Macht über norwegische Gebiete zunehmend nach Kopenhagen. Obwohl die norwegischen Siedlungen auf Grönland im 15. Jahrhundert verschwanden, blieb der formale Anspruch bestehen. Nach den Napoleonischen Kriegen verlor Dänemark – welches auf französischer Seite stand – 1814 Norwegen an Schweden – behielt jedoch Grönland, Island und die Färöer, welche vorher steuerpflichtig an Norwegen waren. Damit wurde Grönland endgültig dänisch, obwohl es historisch nie Teil eines eigenständigen dänischen Reichs gewesen war. In den 1930er-Jahren versuchte Norwegen nochmals, Teile Ostgrönlands für sich zu beanspruchen. Der Internationale Gerichtshof entschied 1933 jedoch zugunsten Dänemarks. Seitdem ist Grönland völkerrechtlich eindeutig dänisches Gebiet.
Grönland heute
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Grönland vom dänischen Kolonialstatus gelöst, aber es blieb Teil des Königreichs Dänemark. In den 1970er Jahren erhielt die grönländische Bevölkerung innere Selbstverwaltung, und seit 2009 gibt es weitreichendes Selbstbestimmungsrecht – doch Außen- und Sicherheitspolitik liegt weiterhin beim dänischen Staat.
