Der sagenumwobene „Elg-Johansen“ – Jäger, Einzelgänger und gewissermaßen eine Legende der norwegischen Wälder

Der sagenumwobene „Elg-Johansen“ – Jäger, Einzelgänger und gewissermaßen eine Legende der norwegischen Wälder

Ähnlich den, damals zumindest, fast undurchdringlichen Wäldern meiner Heimat, dem Elbsandsteingebirge, welches lange Zeit gemeinsam mit dem Zittauer Gebirge und dem Erzgebirge eine fast endlose, bewaldete Region zwischen den hauptsächlich deutschsprachigen Gebieten und dem böhmischen Becken bildete und in noch älterer Zeit als Dunkelwald oder Miriquidi bekannt war, so boten auch die norwegischen Wälder lange Zeit viel Raum für Menschen, die einer – zumeist von wohlhabenderen Menschen – geregelten Jagd ablehnend gegenüberstanden. Denn ähnlich den hiesigen Regionen, so wurde auch in Norwegen die Jagd reguliert und war nicht jedem erlaubt. Nicht allen gefiel das und so gab es eine Reihe von Menschen, die die Wilderei, nicht nur zum Eigennutz, lebten.

Anfang des 20. Jahrhunderts kursierten in den Wäldern rund um Valebø in Telemark Geschichten über einen Mann, der Elche mit beeindruckender Präzision erlegte – und danach spurlos verschwand. Bekannt wurde er als Elg-Johansen. 1919 stand er wegen illegaler Elchjagd vor Gericht, doch mangels Beweisen wurde das Verfahren eingestellt. Der Mythos war geboren.

Elg-Johansen lebte, nachdem er seine Familie verließ, jahrzehntelang ohne festen Wohnsitz. Als Wanderarbeiter zog er durch Norwegen, arbeitete zeitweise als Waldarbeiter und blieb schließlich über 40 Jahre in den Wäldern der Telemark. Seine Herkunft war lange unbekannt und viele Geschichten rankten sich um seine angeblich streng religiöseFamilie und ein abgebrochenes Theologiestudium – vieles davon gilt heute als Ausschmückungen und Gerüchte und erst nach seinem Tod wurde sein vollständiger Name und Geburtsort bekannt: Edvin Johansen aus Valebø.

Entgegen gängiger Vorstellungen lebte Elg-Johansen nicht dauerhaft in natürlichen Höhlen. Stattdessen errichtete er einfache, aber funktionale Unterkünfte: kleine Hütten, Erdverstecke und Schuppen mit Ofen, Holzfußboden und Lagerräumen. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Verteilung von Elchfleisch. Entlang der Bratsbergbanen, einer Eisenbahnstrecke zwischen Eidanger und Nordagutu, versteckte er Vorräte, die später von Eingeweihten abgeholt wurden – ein ausgeklügeltes System, das es fast unmöglich machte, ihm etwas nachzuweisen, selbst wenn die Verstecke aufgebracht wurden.

Er galt als sehr eigenwillig und schnell reizbar, konnte aber auch hilfsbereit sein. Erst im hohen Alter baute er sich mit „Solhøyden“eine feste Hütte, in der er bis zu seinem Tod 1965 lebte. Elg-Johansen war kein romantischer Waldmystiker und kein bloßer Gesetzesbrecher – sondern eine komplexe Persönlichkeit zwischen Armut, Unabhängigkeit und Überlebenskunst. Genau dieses Spannungsfeld macht ihn bis heute zu einer der faszinierendsten Figuren der norwegischen Wildnisgeschichte.

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